In seiner heute erschienenen Pressemitteilung stellt der ZIV die Frage, warum die von der Stiftung Warentest (StiWa) und vom ADAC ermittelten Schäden nicht auch in der Praxis auftauchten. Solche Schäden spielten, so heisst es in der Pressemitteilung „nach unserem Kenntnisstand in der Praxis keine Rolle“. Dies seien die Ergebnisse einer Blitzumfrage, die vom Einzelhandelsverband VDZ durchgeführt wurde, als auch der Diskussionen in der ZIV-Arbeitsgruppe „E-Bike“, die sich seit mehr als 10 Jahren mit dem Thema beschäftige. In dem StiWa / ADAC Test waren 9 von 16 E-Bikes „mangelhaft“ bewertet worden, wobei Rahmen- und Lenkerbrüche neben schlechten Bremsen und elektromagnetischer Strahlung für die schlechten Ergebnisse verantwortlich waren.

Prüfverfahren und Reproduzierbarkeit in Frage gestellt 

Der ZIV stellt fest, dass die StiWa ein Prüfverfahren für die Betriebsfestigkeitsanalyse der Bauteile anwende, das sich grundlegend von den Anforderungen und Prüfverfahren in den europäischen und internationalen Normen unterscheide. Problematisch sei hier, dass die von StiWa durchgeführten Prüfungen von den Unternehmen nicht nachvollzogen werden könnten, da die Messwerte und sogenannten Lastspielzahlen durch die StiWa nicht veröffentlicht werden. Eine Reproduzierbarkeit in anderen Testlaboren, sei deshalb nicht oder nur sehr schwierig möglich. Dazu muss man wissen, dass viele Unternehmen eigene Prüflabore unterhalten, bzw. auch externe Labore beauftragen, um bestimmte Prüfungen wie z.B. elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) durchführen zu lassen.

Biketec (Flyer) und Winora bringen StiWa in Erklärungsnot

Interessant auch, was die Schweizer Firma Biketec AG, die den Flyer herstellt, in Ihrer Presserklärung vom 30.05. dazu schreibt: „Stiftung Warentest wertet unser Modell C5R Deluxe aufgrund eines im simulierten Dauertest gebrochenen Ausfallendes ab. Bei der Dauerprüfung, die zur Abwertung führte, simulierten die Prüfer 20 ́000 km Dauerfahrt unter Testkriterien, die uns trotz sofortiger Nachfrage bisher nicht zugänglich gemacht wurden.“ Im Gegenteil habe der „authentischsten und intensivste FLYER-Feldtest“ dieses E-Bike Modells ganz andere Resultate gezeitigt. Demnach wird das Modell seit 10 Jahren in fünfstelliger Stückzahl verkauft und zudem seit mehr als 8 Jahren im harten touristischen Verleiheinsatz betrieben. „Ein Bruch des Ausfallendes“ sei dem Hersteller dabei „nicht bekannt“ geworden.

Ausserdem weist der Hersteller darauf hin, dass einige Modelle der Flyer C-Serie mehr als 50.000 Km zurückgelegt haben, alle Prüfprozeduren nach DIN EN-Norm erfülle, und dass dies vom „weltweit grössten Prüfinstitut SGS“ bescheinigt wurde. Auch sei das gleiche Modell in vielen anderen Tests gerade im Hinblick auf die Haltbarkeit des Rahmens als besonders gut getestet worden. „Erst vor wenigen Wochen bestätigte ein unabhängiger Langzeittest des Schweizerischen Touring Clubs (TCS) einem FLYER hohe Langzeitqualitäten mit Bestnoten in sämtlichen getesteten Kategorien. Dieser Test hebt vor allem auch die sehr hohe Performance in punkto Zuverlässigkeit und Sicherheit von FLYER hervor. Der TCS entspricht dem ADAC in Deutschland.“

Auch die Winora Group, deren Räder Winora C2 AGT und Hercules Tourer 8 Pro zu den besten vier Rädern des Tests zählen, hat mit dem Sinus B3 ein Modell im Sortiment, das von StiWa auf Grund eines Lenkerbruchs mit „mangelhaft“ bewertet. Der Hersteller entgegnet, dass das Sinus B3 bereits seit Ende 2012 im Sortiment sei und „weder bei Servicestellen noch bei Fachhandelspartnern ein solcher Mangel bisher festgestellt“ wurde. Auch hier wurden wieder alle Lenker nach EN-Norm geprüft und entsprächen damit „den geltenden Auflagen“. Abgesehen davon hat Winora bereits erneute Tests angeordnet, um dem Lenkerbruch mit Hilfe externen Institute auf den Grund zu gehen. Auch habe man schon „ausführlichen Prüfbericht der Stiftung Warentest angefordert“.

Der ZIV stellt zudem die Frage, warum in den Testberichten widersprüchliche Ergebnisse für Bauteile zu Stande kommen, die baugleich in unterschiedlichen Produkten eingebaut wurden. Dies treffe sowohl für mechanische Teile als auch für komplette Antriebssysteme zu.

 

Art und Wortlaut sehr negativ

Nach Auffassung des ZIV sind nicht nur die Testergebnisse, sondern auch die Art und der Wortlaut der Veröffentlichung als sehr negativ anzusehen. So werde der Anschein erweckt, dass E-Bikes grundsätzlich gefährlich und unsicher seien. Komplett unberücksichtigt bleibe dabei, dass es Produkte gäbe, die den Anforderungen der StiWa entsprochen haben. Der ZIV diskutiert die Ergebnisse des Tests im Detail mit seinen Mitgliedunternehmen und wird die vielen offenen Fragen der StiWa und dem ADAC vorlegen.

Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) wurden alleine im Jahr 2012 in Deutschland rund 380.000 Pedelecs verkauft. Somit sind bereits mehr als 1,3 Mio. E-Bikes auf deutschen Strassen unterwegs; für 2013 erwartet man rund 400.000 neu verkaufte Elektrorädern in Deutschland.