Sind die USA ein E-Bike-Land? Noch nicht, aber die Ergebnisse einen aktuellen Studie der Portland State University zeigen, wohin die Reise geht. Demnach sind E-Bike-Besitzer sehr zufrieden mit ihrer neuen Mobilität, fahren häufiger als mit einem Fahrrad und ersetzen öfters das Auto mit dem Elektrorad. Aber vor allem: E-Bikes haben das Potenzial mehr Menschen auf das Zweirad zu bringen. Damit ist Nord-Amerika mit etwa 314 Millionen Einwohnern ein riesiger Markt für E-Bike-Hersteller.

Denn E-Bike-Nutzer genießen die höheren Reichweiten, die sie mit einem Elektrorad zurücklegen können und sehen viele andere Vorteile in elektrisch motorisierten Fahrrädern.


Der durchschnittliche E-Bike-Besitzer in den USA


Die Befragten waren hauptsächlich männlich (85 Prozent) und 71 Prozent von ihnen 45 Jahre und älter. Ebenfalls 71 Prozent aller Studienteilnehmer besitzen einen Hochschulabschluss. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie einen sehr guten oder gar exzellenten Gesundheitszustand haben. Knapp ein Drittel sagte jedoch, dass ihre Gesundheit es nicht zulässt, ein normales Fahrrad zu fahren. Typische benannte Leiden sind Knieprobleme, Atritis, Asthma oder Rückenschmerzen.

Noch sind die USA in zwei Lager gespalten, was E-Bikes angeht. Die Hälfte (52 Prozent) fährt ein Fahrrad mit nachgerüstetem Elektroantrieb und die andere Hälfte (48 Prozent) ein fertiges Elektrorad.

Gasgriff und Durchschnittspreis


Gefragt nach der Bedienung ihres E-Bikes, gaben die meisten an, dass sie einen Gasgriff nutzen. Allerdings ist die "Pedal-Assist"-Funktionen - das Zuschalten des Motors durch Treten - bei 65 Prozent der Befragten gleichzeitig nutzbar.

Relativ gering sind aktuell noch die Ausgaben für E-Bikes bzw. für Umrüstsätze in den USA: So investierten 22 Prozent zwischen 1.000 - 1.500 Dollar. in der Preiskategorie 2.001 bis 2.500 Dollar waren es nur 10 Prozent. Nachrüstsätze allein sind deutlich preiswerter als "Fertig-Elektroräder", wobei man hier natürlich fairerweise den Preis des Rads hinzuaddieren muss.

94 Prozent aller E-Bike-Besitzer sind als Erwachsene Fahrrad gefahren, aber nur 55 Prozent taten das jede Woche oder gar täglich bevor sie auf ein Elektrofahrrad umgestiegen sind.

Die Mehrheit der Befragten (90 Prozent) hat Zugang zu einem motorisierten Fahrzeug, 91 Prozent haben einen Führerschein.



Motivation für ein E-Bike


Was sind sind die Hauptgründe ein E-Bike oder einen Umrüstsatz zu kaufen, fragten die Forscher. Dabei waren mehrere Antworten zu nennen:


  • Das Auto bei einigen Fahrten ersetzen (65 Prozent)

  • Leben oder Arbeiten in einer hügligen Gegend (60 Prozent)

  • Fahrrad fahren soll weniger anstrengend sein (55 Prozent)

  • Die Fitness verbessern (53 Prozent)

  • Ein klassisches Rad zu fahren klappt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr (21 Prozent)

  • Mit Freunden oder Familienmitgliedern mithalten zu können (11 Prozent)


Allerdings gibt es Unterschiede je nach Geschlecht und Alter. Einige Beispiele: So gaben 56 Prozent der Frauen an, dass die bergige Gegend für sie den Hauptausschlag für die Anschaffung eines E-Bikes gewesen ist - bei den Männern sind das nur 40 Prozent. Frauen wollen das E-Bike auch eher nutzen, um zu Freunden oder zur Familie zu gelangen (23 Prozent verglichen mit 9 Prozent der Männer).  Unterschiede zeigen sich auch zwischen den älteren (55 plus) and den jüngeren unter 55 Jahren. 61 Prozent der älteren Befragten ersetzen mit dem E-Bike einige Autofahrten, bei den jüngeren sind es sogar 72 Prozent.

E-Bike-Nutzung in den USA


Das E-Bike führt dazu, dass ihre Besitzer häufiger damit fahren, als sie es zuvor mit ihrem Fahrrad getan haben. So haben 55 Prozent ihr Fahrrad früher wöchentlich oder täglich genutzt, während es beim Elektrorad nunmehr 93 Prozent sind. Allerdings könnten diese großen Unterschiede auch damit zusammenhängen, dass eher enthusiastische E-Biker an der Studie teilgenommen haben, so die Autoren.

E-Bike-Besitzer in den USA nutzen ihr Pedelec oder Elektrofahrrad überwiegend, um zur Arbeit oder zur Schule zu pendeln (45 Prozent), 24 Prozent machen damit Fahrten in ihrer Umgebung, 20 Prozent nutzen es zur Erholung und 11 Prozent für einen anderen Zweck.

Interessant ist auch wie sich das Mobilitätsverhalten durch ein E-Bike ändert. Andere Strecken nutzen 55 Prozent der Befragten, als sie es mit ihrem klassischen Rad getan haben. Von diesen Befragten wählt die Hälfte (53 Prozent) nun durchaus hügelige Gegenden, um schnell ans Ziel zu kommen und 31 Prozent wählen nun auch eher direkte Wege oder verkehrsreiche Routen. Gleichzeitig gaben aber auch 30 Prozent an, dass sie das Gegenteil tun würden: weniger befahrene Straßen nutzen und auch Umwege in Kauf nehmen.

Überraschung oder nicht: E-Bike-Fahrer halten häufiger an Ampeln. 54 Prozent machen das immer, während das nur 25 Prozent der Befragten mit ihrem normalen Fahrrad tun.

Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer


Im Gegensatz zu einigen Europäischen Ländern sind E-Bikes in den USA bisher noch wenig verbreitet. Daher ist es sehr interessant, wie die Reaktionen von anderen Verkehrsteilnehmern ausfallen. 36 Prozent gaben an, dass sie positive Bemerkungen erhalten, wenn sie mit ihrem Elektrorad unterwegs sind. 34 Prozent beschreiben die Reaktion auf ihr E-Bike als "verwundert". Immerhin löste das "electric bike" bei 20 Prozent negative Kommentare aus. 10 Prozent wurde explizit gesagt, dass sie "betrügen" würden.

Die Studie wurde unter 553 E-Bike-Nutzern in Nord Amerika online durchgeführt. Zwar sind die Ergebnisse durch die geringe Verbreitung von E-Bikes in Nord-Amerika noch nicht repräsentativ, allerdings ist diese Studie die erste, die versucht den E-Bike-Nutzer, sein Verhalten und die Kaufgründe in USA umfänglich zu erfassen. Die Forscher wollen weitere Befragungen durchführen. In Deutschland gibt es beispielsweise eine Studie vom alternativen Verkehrsclub VCD, die das Nutzerverhalten von E-Bike-Fahrern erfasst hat.